Das Hagelschutzkonsortium hat im Jahr 2019 intensiv an der Entwicklung eines sektoralen Mutualitätsfonds IST zur Stabilisierung des Einkommens der genossenschaftlich organisierten Landwirtschaftsbetriebe in Südtirol gearbeitet. Diese Entwicklung wurde in enger Zusammenarbeit mit den beiden Erzeugerorganisationen Vi.P und VOG, der Abteilung Landwirtschaft der Autonomen Provinz Bozen, sowie der Universität Padua vorangetrieben. Der Fond ist beim Hagelschutzkonsortium angesiedelt und wird von diesem laut geltenden Satzungen und laut Art. 36 und 39-bis. der EU-Verordnung 1305/2013, sowie laut EU-Verordnung 2393/2017, verwaltet. Der Fond verfolgt keine Gewinnabsichten. Die Verwaltung des Fonds wird durch die Satzungen des Fonds geregelt, welche im Hagelschutzkonsortium einsehbar sind. Rechtliche Gültigkeit haben dabei die Satzungen in italienischer Sprache.

Statement Herbert Dorfmann:

Teilnahme beim Fond:


Werte Landwirte,

in der Vollversammlung des Hagelschutzkonsortiums am 05.06.2020 wurde mit Mehrheitsbeschluss der sektorale Fonds IST zur Stabilisierung des Einkommens für die Südtiroler Apfelwirtschaft eingerichtet. Gleichzeitig wurde auch beschlossen den Antrag zur Anerkennung des sektoralen Mutualitätsfonds IST für Äpfel in Südtirol beim zuständigen Landwirtschaftsministerium – MIPAAF – einzureichen, um von den Förderbeiträgen laut Art. 36 Punkt d) der EU-Verordnung 1305/2013 und 2393/2017 zu profitieren. Mit Jänner 2021 konnte auch die Prozedur zur Anerkennung des Hagelschutzkonsortiums als verwaltende Organisation des Fonds und auch die Anerkennung des sektoralen Mutualitätsfonds I.S.T. Äpfel in Südtirol, in Zusammenarbeit mit dem Landwirtschaftsministerium, abgeschlossen werden und nach Erhalt des offiziellen Anerkennungsdekretes gilt der Fonds offiziell als anerkannter Fonds. Aktuell werden die verwaltungstechnischen Schritte in die Wege geleitet, um den bereits 2020 beigetretenen Mitgliedern alle notwendigen Unterlagen bzw. Deckungszertifikate ausstellen zu können.

Landwirte, die sich mit 2021 als Neumitglied in den Fonds einschreiben möchten, müssen dies bis zum 30. Juni 2021 tun. Wer sich nach diesem Datum für die Einschreibung in den Fonds meldet, kann leider für 2021 nicht mehr berücksichtigt werden!! Anträge, die nach dem 30. Juni 2021 eingehen, werden automatisch für die Einschreibung 2022 vorgemerkt.

Für die Einschreibung in den Fonds bitten wir Sie uns eine entsprechende schriftliche Anfrage mittels PEC unter Angabe des Betreffs „Antrag um Einschreibung in den Mutualitätsfonds I.S.T.“ an unsere offizielle PEC-Adresse condifesa.bolzano@pec.asnacodi.it zu schicken. Bitte geben Sie in Ihrer Anfrage unbedingt die Bezeichnung Ihres Betriebes, die Steuernummer und die Adresse, sowie die Kontaktdaten (persönliche E-Mail-Adresse und Telefonnummer) an. Bitte beachten Sie, dass alle übermittelten Neueinschreibungen für 2021 ab dem 30. Juni 2021 verbindlich werden und die Mitgliedschaft im Fonds somit für mindestens 3 Jahre verpflichtend ist!

Betriebe, die sich 2020 in den Fonds eingeschrieben haben, mussten keinen Mitgliedsbeitrag bezahlen. Betriebe, die sich nun mit 2021 oder auch erst in späteren Jahren in den Fonds einschreiben, müssen im Jahr des Beitritts, zusätzlich zum Deckungsbeitrag, auch einen Mitgliedsbeitrag zahlen. => siehe dazu Häufig gestellte Fragen „Der Mitgliedsbeitrag…“

Häufig gestellte Fragen:


Welches Einkommen wird durch den Fonds gedeckt?
Durch den Fonds wird lediglich das Einkommen aus der Apfelproduktion abgesichert. Einkommen aus landwirtschaftlichen Nebentätigkeiten wie Urlaub auf dem Bauernhof, aus Buschen- und Hofschänke, u.a. sowie persönliche Gehälter für lohnabhängiger Arbeit spielen dabei keine Rolle.

Warum sollte ich diesen Fonds beitreten und einzahlen?
Grundsätzlich muss jeder Landwirt als Unternehmer selbst entscheiden, ob er in den Fonds einzahlen soll oder nicht und ob er sein Einkommen sichern will. Die Europäische Union wird aber in Zukunft gerade beim Riskmanagement in der Landwirtschaft verstärkt in solche Systeme investieren und den Mutualitätsgedanken stärker fördern. Das sogenannte Gießkannenprinzip hat mittlerweile ausgedient. Während im Versicherungsbereich mit den Ausgaben für die Versicherung eine Dienstleistung eingekauft wird, und das investierte Geld, sofern kein Schaden eintritt, verloren ist, bildet das Geld, welches in einem Fonds eingezahlt wird, Kapital. Dieses Kapital steht also weiterhin den Mitgliedern des Fonds zu Verfügung und kann in einem späteren Moment für einen Schadensausgleich verwendet werden. Ein solcher Fonds ist, wenn man so will, als Investition mit Hebelwirkung zu sehen, vor allem wenn man bedenkt, dass die Europäische Union zur Einkommensstabilisierung die Einzahlung des Landwirtes um weitere 70% ergänzt. Von diesen EU-Geldern werden also nur jene Landwirte profitieren, welche in Zukunft Systeme mit Mutualitätsgedanken nutzen und in diese investieren. Dabei gilt: Je eher desto besser!

In den Fonds werden Gelder der Landwirte eingezahlt und auch Fördergelder. Wie sicher ist das eingezahlte Geld?
Jeder Landwirt, der seine Äpfel über eine Genossenschaft der VOG und der ViP vermarktet, kann in den Fonds einzahlen. Dabei zahlt der Landwirt 30% ein und die öffentliche Verwaltung ergänzt den Betrag um weitere 70%. Beispiel: 300€ zahlt der Landwirt, 700€ legt die EU als Förderung drauf. In Summe sind somit 1.000€ im Fonds. Das Geld im Fonds steht den Landwirten für eine eventuelle Schadensvergütung zur Verfügung und muss somit kurzfristig verfügbar sein. Das heißt es darf nicht für spekulative Zwecke verwendet werden oder in riskanten Aktien investiert werden. Weiters muss die Verwaltung des Fonds jährlich eine Abrechnung und die Bilanz des Fonds dem Landwirtschaftsministerium vorlegen.

Wieviel muss eingezahlt werden?
Laut Analysen der Universität Padua, die anhand anonymisierter Daten zweier Südtiroler Genossenschaften erstellt wurden, wird der Landwirt ungefähr 0,71 bis 0,90€ je Doppelzentner einzahlen müssen damit der Fonds wirtschaftlich arbeiten kann und um die gesetzlich vorgegebenen Mindestzahlungen im extremen Schadensfall zahlen zu können. Dieser vom Landwirt einzuzahlende Betrag betrifft den Anteil von 30%. Die öffentliche Verwaltung ergänzt die Einzahlung um weitere 70%! Beispiel: Bei einer Produktion von 600dz und 0,90€/dz ergibt der Anteil zu Lasten des Landwirtes 540€. Die öffentliche Verwaltung, sprich EU, legt weitere 1.260€ drauf. Insgesamte Einzahlung in den Fonds = 1.800€

Wann zahlt der Fond?
Der Fonds zahlt, sofern eine größere Preisschwankung am gesamten Apfelmarkt zu verzeichnen ist, wodurch zum Beispiel niedrigere Auszahlungspreise im Vergleich zu den 3 vorherigen Jahren die Folge sein können. Da der Verlust am Einkommen aus der Apfelproduktion gemessen wird, kann theoretisch auch ein unverhältnismäßiger Anstieg der Produktionskosten im Vergleich zu den 3 vorherigen Jahren zu einer Auszahlung aus dem Fonds führen. Diese Dynamiken werden über den „Trigger Event“ gemessen, welcher einen Verlust von mehr als 15% anzeigen muss.

Wer legt den „Trigger Event“ fest?
Der „Trigger Event“ wird in der Regel vom Landwirtschaftsministerium – ISMEA für die gesamte Apfelwirtschaft oder für die Apfelwirtschaft innerhalb einer Region oder Provinz festgelegt. Der Verwaltungsrat des Fonds kann aber diesen Trigger in besonderen Fällen selbst für ein bestimmtes Einzugsgebiet bestimmen lassen, sofern ein generelles Problem in der Vermarktung der Äpfel in diesem Gebiet besteht. Die Art der Berechnung dieses Triggers ist gesetzlich geregelt.

Welchen Einfluss hat der Sortenspiegel auf die Auszahlung des Fonds?
Der Sortenspiegel eines Betriebes hat nur bedingt Einfluss. Damit der Fonds eine Auszahlung an den Landwirt vornehmen kann, muss ein genereller Preisverfall oder Anstieg der Produktionskosten in der gesamten Apfelwirtschaft oder der Apfelproduktion innerhalb einer bestimmten Zone vorhanden sein – siehe „Trigger Event“. Das heißt, dass in solchen extremen Fällen, unabhängig vom Sortenspiegel, ein genereller Einkommensverlust zu verzeichnen sein wird, weshalb auch Betriebe mit breiter Sortenstreuung vom Fonds profitieren werden.

Wieviel würde der Fonds auszahlen?
Analysen der Universität Padua anhand anonymisierter Daten zweier Südtiroler Genossenschaften, davon eine aus dem Vinschgau, haben gezeigt, dass bei einem Einbruch des Apfelmarktes beide Seiten im Schnitt gleich profitieren. Dabei hätte der Fonds in den letzten 10 Jahren drei bis vier Mal eine Schadensauszahlung in Höhe von 2 bis 8 Cent/kg an durchschnittlich 70% der analysierten Fälle gewährt. Beispiel: Rein bei einem Verlust von 2 Cent/kg im ersten Einzahlungsjahr würde der Landwirt doppelt so viel wie er eingezahlt hat erhalten. Sozusagen erhält er zusätzlich zum eingezahlten Deckungsbeitrag noch knapp die Hälfte des geschenkten Geldes der EU-Förderung. Diesen Teil des Geldes hätte er sonst nicht erhalten!

An wem geht die Schadensauszahlung?
Der Fonds deckt das Einkommen des einzelnen Landwirtes, welcher in den Fonds eingezahlt hat, ab. Die Schadensberechnung wird also auch für den einzelnen Landwirt anhand seiner historischen Daten errechnet. Die Schadensauszahlung geht daher direkt an den Landwirt. Eine Schadensliquidierung direkt an die betreffende Genossenschaft ist laut gesetzlichen Vorgaben nicht möglich.

Was passiert, wenn Landwirte vom Fonds immer profitieren und andere nicht?
Sollte es vorkommen, dass einzelne Landwirte, sowie Landwirte einzelner Genossenschaften oder Einzugsgebiete unverhältnismäßig oft und mehr vom Fonds profitieren, bedeutet dies, dass der Fonds für diese Mitglieder auch ein höheres Risiko zu tragen hat. In diesem Fall hat der Verwaltungsrat die Möglichkeit, bezogen auf das höhere Risiko, für betreffende Mitglieder einen höheren jährlichen Deckungsbeitrag zu verlangen.

Der Mitgliedsbeitrag ist im Voraus für 3 Jahre zu bezahlen. Wie hoch ist er?

Mitglieder, welche sich bereits 2020 in den Fond einschreiben, zahlen nur den Deckungsbeitrag. Es wird kein Mitgliedsbeitrag verlangt!

Mitglieder, welche sich mit 2021 bzw. in den kommenden Jahren neu einschreiben, zahlen zusätzlich zum Deckungsbeitrag noch den Mitgliedsbeitrag. Dieser wird im Verhältnis zum bereits vorhandenen Kapital im Fonds berechnet, da „Neumitglieder“ ja vom Kapital profitieren, welches Landwirte bereits einbezahlt haben. Dies bedeutet: Je später ein Landwirt dem Fonds beitretet und je mehr Kapital der Fonds zum Zeitpunkt des Ersteintrittes zur Verfügung hat, desto höher ist der Mitgliedsbeitrag, welcher zu bezahlen ist. Hofübergaben an Sohn oder Tochter werden dabei gesondert behandelt.

Für Neueinschreibungen 2021 errechnet sich der Mitgliedsbeitrag wie folgt:

50% der Durchschnittlich produzierten Menge der letzten 3 Jahre (in 100kg) multipliziert mit 0,90€ je 100kg;

Beispiel: Durchschnittliche Produktion von 600 dz/ha x 0,90€/dz = 540€uro x 50% = 270€/ha Mitgliedsbeitrag 2021

Für Neueinschreibungen 2022 errechnet sich der Mitgliedsbeitrag wie folgt:

100% der Durchschnittlich produzierten Menge der letzten 3 Jahre (in 100kg) multipliziert mit 0,90€* je 100kg;

Beispiel: Durchschnittliche Produktion von 600 dz/ha x 0,90€/dz = 540€uro x 100% = 540€/ha Mitgliedsbeitrag 2022

Für Neueinschreibungen 2023 errechnet sich der Mitgliedsbeitrag wie folgt:

150% der Durchschnittlich produzierten Menge der letzten 3 Jahre (in 100kg) multipliziert mit 0,90€* je 100kg;

Beispiel: Durchschnittliche Produktion von 600 dz/ha x 0,90€/dz = 540€uro x 150% = 810€/ha Mitgliedsbeitrag 2023

* Wert in €uro/dz wird jährlich vom Verwaltungsrat des Fonds aufgrund der höhe des Deckungsbeitrages des Vorjahres neu definiert.


Kann ich mich in einem zweiten Moment in den Fonds einschreiben?

Ja. Ein Landwirt kann sich natürlich auch erst in den kommenden Jahren in den Fonds einschreiben. Landwirte, die sich aber bereits 2020 in den Fond eingeschrieben haben mussten keinen Mitgliedsbeitrag zahlen. Für die Neueinschreibungen 2021 und für alle weiteren Einschreibungen in den Fond in den kommenden Jahren wird nun, neben dem jährlichen Deckungsbeitrag, auch die Zahlung eines Mitgliedsbeitrages im Eintrittsjahr fällig. Je später man sich in den Fond einschreibt desto höher wird der Mitgliedsbeitrag sein.

Wer sich also zu günstigeren Bedingungen in den Fond einschreiben möchte sollte dies in den Anfagsjahren des Fonds tun!

Betriebe die bereits in den Fond eingeschrieben sind und den Betrieb an den Sohn oder die Tochter übergeben werden dabei gesondert behandelt. In diesen Fällen wird die Position auf dem Hofübernehmer umgeschrieben.

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Direktor des Hagelschutzkonsortium
Manfred Pechlaner

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